Der Brand auf Samothraki vom 30.07.2008
Es ist ungefähr 22:00. Wir schauen gerade gemütlich Fernsehen, als eine Sirene wie aus einem amerikanischen Kriminalfilm nicht zur Akustik des Films passt. Im nächsten Moment ruft unsere Nachbarin Anna zu uns herüber. Sie schreit ängstlich, dass wir unser Haus mit Wasser abspritzen sollen, weil es brennt. Zuerst sehe ich gar nichts, doch dann sehe ich es auch. Eine gewaltige Feuerwand oberhalb unserer Straße kommt langsam auf einer Breite von über 500 Metern von Hora aus auf Alonia zu. Der Wind bläst kräftig mit 30 Stundenkilometern. Ich fange fieberhaft an zu überlegen, was ich tun kann. Ich beginne das Haus mit dem Gartenschlauch abzuspritzen. Nach einer Minute komme ich zu dem Schluss, dass das gar nichts bringt, wenn das Feuer bis zum Haus kommt, weil das bisschen Nass sofort verdunstet. Uta rennt nach unten in den Garten um dort den Wasserhahn zu schließen. Im gleichen Moment fällt der Strom aus und die Straßenbeleuchtung. Ich rufe nach Uta, die nun riesige Probleme hat vom Gemüsegarten wieder die Treppe zu finden. Sie stolpert und sticht sich an einem Ast fast ein Auge aus. Ich drehe die Gasflaschen im Haus und bei der Außenküche zu, und schließe alle Fenster. Dann schnappe ich mir die Pässe und schalte den Computer und den Fernseher aus. Uta hat in der Zeit ein paar Utensilien eingepackt. Wir werfen alles ins Auto und flüchten nach Kamariotissa. Nach 500 Metern sehen wir eine Nachbarin unschlüssig und total verängstigt auf der Straße stehen. Sie lebt mit ihrem Kind, der Schwiegermutter und ihrem Mann dort in zwei kleinen Häusern. Wir können sie überreden mit uns nach Kamariotissa zu fahren. Wobei überreden wohl eher überschreien heißen müsste. Ihr Mann fährt mit dem Moped zum Feuer zum helfen. Die Schwiegermutter will mit dem Kind lieber im Haus bleiben. Wir verlieren wertvolle Minuten bis wir die Schwiegermutter dazu bewegen können, zu uns ins Auto einzusteigen. Sie meint, wir sollen sie bis zur nahegelegenen Kaserne fahren, die Soldaten würden sie schon schützen. Ich ignoriere ihr Geschrei und wir fahren alle zu meinem Freund Dukas nach Kamariotissa. Dort sind wir sicher und unsere Nachbarn können sich mit den Eltern von Dukas unterhalten.
So gegen 01:00 Uhr habe ich genug von dem schaurigen Schauspiel und den ewigen Unterhaltungen mit den Leuten, was man am Besten machen könne. Zumal unsere Freunde Sietske und Wassilis kommen und uns abholen wollen, damit wir in dem leerstehendem Haus von Friedrich Schliemann, das direkt auf dem Grundstück von Sietske und Wassilis ist, schlafen können. Es ist gar nicht so einfach, Dukas Vater Panagiotis zu überreden, dass wir nicht bei Dukas schlafen, aber ich sage ihm, es ist einfacher, er lässt unsere Nachbarn bei sich schlafen. Etwas widerwillig lässt er uns fahren.
Nun also zum Haus von Sietske und Wassil. Dabei kommen wir im Hafen
vorbei. Die Fähre legte gerade ab, um Feuerwehren aus Alexandroupolis zu
holen. Wieso sie nicht schon viel früher los gefahren ist, entzieht sich
unserer Kenntnis. Sie kann frühestens in 5 Stunden wieder zurück sein. Es ist eine unruhige und kurze Nacht. Beim ersten Morgengrauen werden
wir von dem Brummen der Löschflugzeuge wach. Wir ziehen uns an und fahren
nach Alonia. Riesige Erleichterung befällt uns, als wir sehen, dass unser
schönes Tal mit den schönen Häusern scheinbar friedlich im Morgenlicht
dämmert. Auf den ersten Blick ist alles so grün wie immer. Doch bei genauem
Hinsehen, erblicken wir ungefähr
50 Meter oberhalb der Häuser und der Straße verbrannte Erde, verkohlte
Sträucher und angebrannte Bäume. Das Feuer ist dort zum Stillstand gekommen. Wir
treffen unseren Nachbarbar Dukas auf der Straße.
Bei Dukas Eltern geben wir einen ersten Bericht mit
der frohen Nachricht, dass die Häuser noch stehen und wir ein Riesenglück
hatten. Wir fahren weiter zu Sietske um zu berichten. Wassili macht uns erst
einmal einen Kaffe mit dem man Tote aufwecken könnte. Wir sind alle froh,
dass nichts weiter passiert ist. Nach ein paar Besorgungen wollen wir zum
Frühstück nach Haus fahren. Doch schon bei der Ortseinfahrt von Alonia sieht
man von weitem Rauchwolken aufsteigen. Diesmal in direkter Nähe von unserem
Haus. Wir kommen nur bis auf 50 Meter an unser Haus heran, denn es stehen 3
Feuerwehren auf unserer Straße und löschen. Schon wieder fällt uns ein Stein
vom Herzen, der bis eben immer schwerer wurde. Unser Haus ist nicht
betroffen. Dafür hat es die Scheune unseres Nachbarn gegenüber
Weil jetzt eigentlich nichts mehr passiert, machen wir erst einmal Frühstück auf unsere gewohnte deutsche Art, also mindestens eine Stunde mit Tee und Brot und Wurst und Käse und Obstsalat. Eigentlich geht alles wieder seinen Gang, außer das Utas Morgengebet etwas intensiver ausfällt, es kräftig verbrannt riecht und die Margarine von umherfliegender Asche bestreut wird. Es ist mittlerweile Mittag. Nach dem Frühstück bin ich so kaputt, dass ich mich ins Bett lege und bis 17:00 Uhr schlafe.
Es tut gut zu erleben, wie selbstverständlich unsere Freunde Panagiotis und Joanna, Dukas, Litsa und Marina, Sietske und Wassili und nicht zuletzt Friedrich uns geholfen haben. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch für den selbstlosen Einsatz der Einwohner, die mit ihren Treckern geholfen haben, das Feuer zu bremsen. Und natürlich auch ein herzliches Danke für die Feuerwehrleute, die ihren wirklich brandgefährlichen Job machen. Bei aller Dankbarkeit kommen mir aber auch ein paar Gedanken der Wut und der Ohnmacht in den Kopf. Das für mich brutalste ist, dass in den Wäldern um Therma etliche Touristen aber auch Einheimische, wie jedes Jahr im Sommer, unter Bäumen ihre Zelte aufgeschlagen haben, und Nacht für Nacht gemütlich ein Lagerfeuer machen, um zu grillen. Ich habe einige dieser Leute letztes Jahr angesprochen und sie sagen auch noch verärgert, dass sie sehr sorgfältig mit dem Feuer umgehen, und ihnen das bestimmt nicht passiert, weil sie ja alle aufpassen. Mir fehlen dazu die Worte. Wenn ich hier etwas zu sagen hätte, gäbe es nur eine Konsequenz. 1000,- Euro Strafe und sofortiger Verweis von der Insel. Die Polizei würde ich anweisen, statt im Sommer Strafzettel wegen Falschparkens zu schreiben, gezielt gegen solche Frevler vorzugehen. Leider haben weder die Gemeinde noch die Polizei anscheinend wirkliches Interesse daran, diese Leute nachhaltig zu vertreiben, sonst hätten sie es wohl längst getan. Auch frage ich mich, ob man statt zum Beispiel einer sündhaft teuren Nikeskulptur, schicken Bürgersteigen und vielen anderen teilweise sogar mit EU Geldern subventionierten Projekten, nicht vielleicht zum Beispiel mehr in den Brandschutz investiert werden könnte. Die Bürger von Samothraki wären sicher sehr dankbar dafür. ![]() Hier ein paar Links aus griechischen Zeitungen und Fernsehsendern. Natürlich auf griechisch. http://www.naftemporiki.gr/news/static/08/07/31/1546138.htm http://www.skai.gr/master_story.php?id=89679 http://www.cosmo.gr/News/Hellas/207030.html http://www.madata.gr/index.php?news=22173 http://www.ert3.gr/news/et3newsbody.asp?ID=409837 Schauen Sie sich in diesem Zusammenhang doch auch einmal meine Seite vom Wildcamping an. Zurück zur deutschen Anfangsseite |