Autoput Fahrbericht Österreich - Slowenien - Kroatien -  Serbien - Mazedonien - Griechenland

16.11.2004

Die Touristenzahlen in Griechenland sind kräftig zurückgegangen. Ein erheblicher Grund ist die Unterbrechung der Landverbindung zwischen Österreich und Griechenland, dem so genannten Autoput durch Ex - Jugoslawien, gewesen. Ja, Sie lesen richtig - gewesen. Der Autoput kann wieder wie früher benutzt werden.

Allerdings gibt es leider genau wie früher Probleme mit Staus, korrupten Polizisten, bummeligen Grenzbeamten, katastrophalen Straßenabschnitten und vieles mehr.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit dem Autoput, sowohl positiv wie negativ, in möglichst ausführlicher Form an mich mailen würden, damit ich sie hier veröffentlichen kann.

Übrigens die nebenstehende Karte können Sie sich auch selbst erstellen mit dem Michelin Routenplaner

Autor: Ralf Scheel
Datum: 15.12.2004

Fahrt von Kipfenberg nach Samothraki 16.11.2004 bis 18.11.2004

Die Tour von Samothraki nach Österreich am 15.09. hatte ich ab Grenze Jugoslawien in einem Rutsch gemacht, um unbedingt mit meiner Mutter in Mallnitz Kärnten zu übernachten. Sie kannte den Ort von etlichen Urlauben vor etlichen Jahren. Die daraus resultierenden 18 Stunden Fahrzeit nahezu am Stück musste ich aber nicht noch einmal haben. Ich hatte daher von vorneherein diesmal eine Übernachtung in Jugoslawien eingeplant. Vormittags um 10:00 Uhr bin ich, nach einem guten Frühstück bei unseren Freunden, mit meiner Frau in Kipfenberg bei Ingolstadt ganz gemütlich in Richtung Salzburg los. Da es in den Tagen vorher schon geschneit hatte, hatte ich mir sicherheitshalber noch Schneeketten besorgt. Schließlich weiß man nie, wie viel Schnee in den Alpen zu erwarten ist. Die Fahrt durch Deutschland und Österreich läuft völlig problemlos, keine Staus, keine Unfälle, gutes Wetter. 

Um 12:00 Mittags kommen wir in Bad Reichenhall an der Grenzstelle an und besorgen uns die Vignette. Der Mann an der Kasse will mir noch einen Schaber verkaufen, damit man die Vignette wieder leicht von der Scheibe abbekommt. Ich lehne dankend ab. Das Teil klebt zwar, wenn man es wie einen normalen Aufkleber behandelt, wirklich so extrem fest, dass man einen Schaber braucht, um es wieder zu entfernen.  Aber durch schlechte Erfahrung klug geworden, tupfe ich die Vignette nur ganz sacht an, so dass es nach der Fahrt problemlos wieder ab geht. So gegen 14:00 Uhr überkommt uns ein leichtes Hungergefühl, und wir suchen ein Restaurant. Schon im September ist es mir mit meiner Mutter zusammen aufgefallen, die Österreicher machen Ihre Restaurants erst abends auf. Da wir sowieso auf der Landstraße bei Radstadt in Richtung Graz unterwegs sind, sollte sich aber doch wohl ein Restaurant finden lassen. Erst beim fünften Anlauf klappt es in einem größeren Einkaufszentrum. Das Essen ist eher Fastfood. Dafür nehmen wir noch ein paar "ganz wichtige Utensilien" für Griechenland aus einer Drogerie im Einkaufszentrum mit. 

Kurz vor der slowenischen Grenze tanke ich noch einmal voll, und schon befinden wir uns in Slowenien. Es ist erstaunlich viel Verkehr auf den Straßen und die Leuchtreklame kann westlicher nicht sein, MacDonalds, Mercedes, VW und Audi grüßen. Es ist um 18:00 Uhr bereits dunkel, aber die Sicht auf den Straßen ist in Ordnung. Nach kurzer Zeit beginnt die Autobahn Richtung Zagreb und damit auch wieder die Mautstellen. 

Ehe wir uns versehen, es ist 19:30 Uhr, sind wir Kroatien. An der Grenze ist nicht viel los. Ich versuche, soweit wie möglich an Serbien heran zu fahren, um noch davor in Kroatien zu übernachten. Gegen 22:00 Uhr kommen wir in Slavonski Brod an. Seit Zagreb haben wir die Motels beobachtet und mussten feststellen, dass viele von ihnen, die im Sommer wahrscheinlich geöffnet hatten, jetzt geschlossen sind. Wir sind jedenfalls froh, noch eines gefunden zu haben. Wir parken das Auto auf einem großen Parkplatz direkt vor dem Motel. Neben uns steht lediglich ein Schweizer Abschleppwagen, sonst ist niemand auf dem Parkplatz. Den Fahrer des Abschleppwagens finden wir im Restaurant des Motels als einzigen Gast. Das Doppelzimmer für 50,- Euro ist soweit ordentlich. Wir haben sowieso keine Wahl, da wir ja nicht nach Serbien zum Übernachten wollen. Wir essen noch eine Kleinigkeit (1x Cevapcici  mit Pommes, 1 Salat, 1 große Flasche Mineralwasser und 1 Bier) für insgesamt 50 Kuna, was zwar eigentlich 6,34 € ergeben sollte, aber mit bezahlten 8,00 € (7,40 € lt. Kassenbon) kann man sagen, das Essen war billig. Das Frühstück am nächsten Morgen ist mit 2 Stück Weißbrot und etwas Marmelade dafür sehr mickrig. Aber wir sind froh, dass unser Auto noch unversehrt am selben Platz steht, ein wenig Angst hatten wir schon. Zumal uns der Schweitzer wahre Schauergeschichten über unzählige korrupte Zöllner und Polizisten erzählt hatte. Um 8:18 Uhr fahren wir auf die letzte Mautstelle in Kroatien zu. Danach kommt Landstraße statt Autobahn bis zur Serbischen Grenze. Die Straße ist aber trotzdem ordentlich.

Ungefähr um 09:00 Uhr erreichen wir Serbien. Wie bisher nicht anders erlebt, treffen wir auf einen großen Grenzübergang mit wenig Autos. Allerdings, als wir durch sind sehen wir, dass sich auf der Gegenseite die LKWs auf rund 10 Kilometer stauen. Dafür gibt es ab sofort wieder Autobahn, die aber teilweise mit tiefen Spurrillen versehen ist. Bei Maximaltempo 130 km/h schaukelt es manchmal zwar ein wenig, aber unser Auto macht wenig Fahrprobleme. Im Raum Belgrad wird der Verkehr zunehmend dichter, aber schließlich ist Belgrad eine Hauptstadt wie viele andere, warum sollte hier weniger Verkehr sein. Kurz hinter Niš hört die Autobahn auf, aber die Landstraße ist dort, wo sie noch vor wenigen Monaten repariert wurde, jetzt in  sehr gutem Zustand. Da wir uns langsam der Grenze zu Mazedonien nähern, will ich noch tanken. Doch was ist das? An der nächsten Tankstelle werde ich weitergeschickt, sie haben keinen Diesel. An der übernächsten Tankstelle gibt es erst gar keinen Diesel, und erst an der dritten Tankstelle dürfen wir tanken. Jetzt verstehe ich auch, warum wir zwischendurch Leute an einer Autobahnzufahrt mit erhobenem Benzinkanister gesehen haben, obwohl dort kein Auto in der Nähe stand. Beim Tanken kontrolliere ich genau, ob irgendwie getrickst wird, und natürlich, wie viel Dinar es kosten soll. An der Kasse zücke ich sofort meinen Palm Computer mit dem Umrechnungsprogramm, dessen Wechselkurse ich 2 Tage vorher im Internet abgefragt hatte. Ich zeige dem Tankwart den ausgerechneten Betrag von 28,00 €, und frage ihn nach seinem Umrechnungskurs. Er sagt er möchte 41,- €, was ich ablehne. Ich gebe ihm 30,00 € und er ist zufrieden. Na prima, so ein kleiner Computer überzeugt doch ganz gut, jedenfalls hatte es bei der Fahrt im September genauso funktioniert. Somit ergibt sich ein Preis von 0,68 €/ für den Liter Diesel. Damit liege ich noch um 3 Cent billiger als bei der Reise von Griechenland nach Deutschland. Der anschließende Gang zum Klo kostet allerdings für meine Frau und mich zusammen 1,- €. Der Toilettenmann schaut recht grimmig bei der Nennung des Preises, also zahle ich lieber ohne Diskussionen. Weiter geht es.

So gegen 15:00 Uhr erreichen wir Mazedonien. Wieder sehr wenig Verkehr, aber eine Abweichung an den Mautstellen. Es gibt Schranken, so das man nicht einfach losfahren kann wie im September. Dafür wird der Preis in Euro bei allen Mautstellen einigermaßen korrekt berechnet. Auch hier wurde kräftig an den Landstraßen gearbeitet, viele Abschnitte sind neu, und die Autobahn ist auch in Ordnung.

Um 17:30 Uhr griechischer Zeit erreichen wir Evzoni, die griechische Grenzstation. Auch hier nichts los, also weiter auf der Autobahn Richtung Thessaloniki. Erst einmal bis Polikastro, denn unsere Mägen knurren. Da ich im September die kleine Stadt erkundet hatte, war der Weg ins nächste Restaurant nicht weit. Wir können froh sein, dass überhaupt eines auf hat, denn es ist schließlich erst 18:00 Uhr, und kein Grieche geht schon um 18:00 etwas essen. Wie üblich gibt es etlicher gekochte Gerichte in Warmhalteschalen im Wasserbad. Die Wirtin fragt uns aus, wo wir herkommen, was wir machen, wo wir wohnen. Wir haben den Eindruck, sie freut sich richtig über ein Schwätzchen mit uns, und dass wir so gut griechisch sprechen können. Wir bestellen hiervon ein wenig und davon eine Portion, einen Salat und für Uta ein Viertel Retsina. Was kommt, sind Riesenportionen und ein halber Liter Retsina. Die Wirtin sagt, das geht schon in Ordnung, sie hat gerade keine kleinen Flaschen Retsina, aber wir sollen nur die Hälfte bezahlen. Das Essen ist wunderbar und mehr als reichlich. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber wir fühlen uns wieder etwas sicherer. Keine Angst betrogen, oder bestohlen zu werden, sicher auch der Umstand, dass man versteht, was die Leute sagen. Aber auch die Freundlichkeit und das Interesse der Leute. Mit der Rechnung kommt die Überraschung. 12,50 € alles zusammen, da kann man nicht meckern.
Jetzt sind es nur noch ein paar Stunden bis nach Alexandroupolis, und so rufe ich in unserem Stammhotel Lido an, und bestelle ein Zimmer. Ich sage, dass wir so gegen Mitternacht ankommen werden. Schon um 23:00 Uhr erreichen wir das Hotel, und freuen uns über einen Parkplatz direkt davor.
Am nächsten Tag besorgen wir uns als erstes die Schiffskarten, denn es gab schon öfter mal Probleme, das mehr Autos auf die Fähre wollten, als Platz vorhanden ist. Dazu fahren wir als erstes das Auto in den Hafen, der heute proppenvoll ist, wegen des Basars. Danach gehen wir erst einmal frühstücken. Wie immer bei Jefsi und Ijias in der Hauptstraße. Uta freut sich schon auf Ciabata mit Schafskäse und Oliven und ich auf Ciabata mit Salami. Nicht gerade typisch griechisch, aber wohlschmeckend. Zurück zum Basar. Wir decken uns mit frischem Obst und Gemüse ein, soviel wir tragen können, und bringen dann alles zum Auto. Da wir noch viel Zeit haben, die Fähre fährt erst um 15:00 Uhr ab, fahren wir zum Lidl etwas außerhalb von Alexandroupolis. Hier decken wir uns mit den preiswerten Sachen wie Bananen, H-Milch, Salami, Joghurt und Schokolade ein, die den Einkauf bei Lidl wesentlich günstiger machen, als bei uns auf der Insel. Wir fahren zurück zum Hafen und gehen, weil noch viel Zeit ist bis 15:00 Uhr, bei unserem Stammrestaurant Nereida essen.
18:00 Uhr, die Fähre legt in Kamariotissa auf Samothraki an. 18:30 Uhr, wir sind in Alonia vor unserem Haus.

Gefahrene Kilometer von Kipfenberg bis Alonia 2111 km
Fahrtdauer: 2 Tage und achteinhalb Stunden
Fahrtdauer Autoput ohne Übernachtung: 14 Stunden

Datum Zahlungsgrund Betrag
16.11.2004 Vignette Österreich 07,60 €
16.11.2004 Tunnel Mautstelle Gleinalm 07,50 €
16.11.2004 Tankstelle Lebring Österreich 36,24l Diesel für 0,88 €/l 31,86 €
16.11.2004 Maut Slowenien 180 Skupaj (lt. Kurs vom 15.11. = 0,80 €) 00,80 €
16.11.2004 Maut Kroatien 5 Kuna (lt. Kurs vom 15.11. = 0,63 €) 01,50 €
16.11.2004 Motel Orljava Luzani Kroatien DZ m. Frühstück f. 2 Personen 50,00 €
17.11.2004 Maut Kroatien 93 Kuna (lt. Kurs vom 15.11. = 11,79 €) 15,00 €
17.11.2004 Maut Serbien 450 Dinar (lt. Kurs vom 15.11. = 5,76 €) 07,00 €
17.11.2004 Maut Serbien 1000 Dinar (lt. Kurs vom 15.11. = 12,81 €) 15,00 €
17.11.2004 Maut Serbien 230 Dinar (lt. Kurs vom 15.11. = 2,95 €) 04,00 €
17.11.2004 Tankstelle Niš 43,93l Diesel für 2200 Dinar (lt. Kurs vom 15.11. = 28,17 €) 30,00 €
17.11.2004 Maut Mazedonien 50 Denar (lt. Kurs vom 15.11. = 0,56 €) 01,00 €
17.11.2004 Maut Mazedonien 70 Denar (lt. Kurs vom 15.11. = 0,79 €) 01,50 €
17.11.2004 Maut Mazedonien 50 Denar (lt. Kurs vom 15.11. = 0,56 €) 01,00 €
17.11.2004 Tankstelle Xanthi Griechenland 42,21l Diesel für 0,76 €/l 32,00 €
17.11.2004 Hotel Lido Alexpolis Griechenland DZ ohne Frühstück 30,00 €
18.11.2004 Fähre Samothraki 2 Pers. a 8,20 € und 1 Auto bis 4 Meter 34,90 € 51,30 €
Gesamte Fahrtkosten ohne Essen 287,06 €

Fazit: Die von anderen Fahrern berichteten Betrügereien, Schikanen oder Repressalien konnte ich bei dieser Fahrt nicht feststellen. Insbesondere Probleme mit der Polizei hatte ich weder auf der Hin- noch auf der Rückfahrt. Wer allerdings meint, mit 160 km/h die Strecke abzureißen, braucht sich weder zu wundern, wenn er von der Polizei gestoppt wird, noch wenn er durch eine Spurrille mal mit dem Wagen aufsetzt. Angesichts der schlechten Versorgung mit Motels im November und der Kraftstoffversorgungsprobleme im Süden Serbiens ist die Fahrt aber noch nicht völlig problemlos. 

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