Autoput Fahrbericht Österreich - Slowenien - Kroatien - Serbien - Mazedonien - Griechenland

02.04.2005

Die Touristenzahlen in Griechenland sind kräftig zurückgegangen. Ein erheblicher Grund ist die Unterbrechung der Landverbindung zwischen Österreich und Griechenland, dem so genannten Autoput durch Ex - Jugoslawien, gewesen. Ja, Sie lesen richtig - gewesen. Der Autoput kann wieder wie früher benutzt werden.

Allerdings gibt es leider genau wie früher Probleme mit Staus, korrupten Polizisten, bummeligen Grenzbeamten, katastrophalen Straßenabschnitten und vieles mehr.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit dem Autoput, sowohl positiv wie negativ, in möglichst ausführlicher Form an mich mailen würden, damit ich sie hier veröffentlichen kann.

Übrigens die nebenstehende Karte können Sie sich auch selbst erstellen mit dem Michelin Routenplaner

Autor: Ralf Scheel
Datum: 14.04.2005

Fahrt vom 02.04.2005 bis 3.04.2005

Gefahrene Kilometer vom Grenzübergang Wurzenpass bis Evzoni 1192 km
Fahrtdauer von Villach bis Evzoni ohne Pausen und ohne Übernachtung: 12 Stunden 40 Minuten

Wie Sie es von meinen früheren Fahrberichten vielleicht schon gewohnt sind, lassen wir es gerne ruhig angehen. Lieber stressfrei und entspannt als genervt und kaputt.
Also beginnt unsere Reise wieder im bayerischen Kipfenberg, wo wir uns nach einem ausgedehntem Frühstück bei unseren Freunden Bärbel und Horst am 2.4. um 11:30 auf den Weg machen. Ich habe extra die Osterfeiertage verstreichen lassen um nicht permanent in irgendwelchen Staus zu stehen. An diesem Wochenende sind lediglich die Osterferien zu Ende, was aber bedeutet, dass die Staus auf den Autobahnen in Bayern Richtung Norden sind. Richtung Süden ist die Autobahn tatsächlich angenehm frei. 
Um 13:55 erreichen wir die österreichische Grenze bei Salzburg und kaufen dort eine Vignette. Von der Autobahn Salzburg Villach biegen wir vor dem mautpflichtigen Teil ab und fahren über den Tauern- und den Katschbergpass, nicht ohne in der Nähe von Radstadt in einem gemütlichen Restaurant zu Mittag zu essen. Sogar Schifahrer sind in einigen Orten noch zu sehen, doch sonst liegt nur noch wenig Schnee. Ich tanke in Villach noch einmal voll, denn Slowenien und Kroatien haben ziemlich hohe Benzinpreise und bis Serbien reicht mein Tank nicht mehr. 
Um 17:07 geht es los von der Tankstelle in Villach zum Wurzenpass. Was früher für Autos mit schwachen Motoren wie dem Renault 4 mit 27 PS voll beladen zum Problem wurde, bügelt ein moderner Renault Kangoo mit 85 Diesel PS nahezu platt. Völlig locker geht es den Pass rauf und wieder runter, sodass nach nur 23 Minuten der slowenische Grenzübergang von uns passiert wird. Es ist nicht viel los am Grenzübergang und wir werden einfach durch gewunken. Schon nach ungefähr einer halben Stunde erreichen wir die Autobahn nach Ljubljana. Eine Stunde hinter Ljubljana, es ist 19:30, habe ich keine Lust mehr zum fahren. In Trebnje gibt es direkt an der Autobahn ein Motel. Angeschlossen ist ein Spielkasino. Davor stehen zwei amerikanische Straßenkreuzer mit Überlänge. Dementsprechend liegt auch der Zimmerpreis bei 120,- €. Nicht gerade unsere Preislage. Man sagt uns aber, im Dorf gäbe es noch ein billigeres Gasthaus mit Zimmern. Wir fahren also rein und finden das einzige Gasthaus mit Übernachtungsmöglichkeit. Zimmerpreis für ein Doppelzimmer mit Frühstück entweder 50,- € in guter Qualität oder für 40,- € in schlechterer Qualität. Ich entscheide angesichts unserer Finanzlage für das billigere Zimmer. Bei genauerem Hinsehen stellen wir zwar fest, dass wohl monatelang nicht geputzt wurde und die Bettwäsche schon ziemlich fleckig ist, schlafen kann man trotzdem gut. Das Abendessen fällt mit 10,- € für einen großen Salat, Spaghetti Carbonara, 1Mineralwasser und 1 Bier sehr preisgünstig aus. Auch das Frühstück am nächsten Morgen mit 3 Spiegeleiern und Wurst und Käse und Marmelade und frischem Brot ist sehr ordentlich.
Weiter geht es um 9:30 Richtung Zagreb auf der Autobahn. Um 10:30 erreichen wir die Grenze von Kroatien und 10 Minuten später den ersten Abzweig nach Zagreb. 
Um 13:15 erreichen wir Serbien. An der Grenze stapeln sich die LKWs in einer kilometerlangen Schlange. Jetzt bloß nicht hinten anstellen, sondern auf der Gegenfahrbahn langsam an den Lastwagen vorbei bis zum Grenzübergang fahren. Ansonsten ist wenig Verkehr auf der gesamten Strecke, selbst in Belgrad, das wir um 14:30 erreichen ist nicht viel los. Wahrscheinlich weil es Sonntag ist. 30 Kilometer vor Belgrad tanke ich voll. Mein System - frage nie nach dem Preis in Euro - funktioniert wieder bestens. Ich habe den Umrechnungskurs vor der Reise im Internet abgefragt und in meinem Umrechnungsprogramm vom Palmcomputer gespeichert. Sobald ich den Preis in der Fremdwährung habe, tippe ich ihn vor den Augen des Tankwartes ein, und heraus kommt der Preis in Euro. Nun noch aufrunden auf einen vollen Fünfer oder Zehnerbetrag, denn ich kann um die Jahreszeit nicht erwarten, dass der Tankwart Euros herausgeben kann, und andererseits kann er Münzen nicht bei der Bank umtauschen. So freut er sich über 1 Euro Trinkgeld und ich mich über einen fairen Preis. Übrigens kostet der Sprit in Serbien überall das Gleiche und ist zur Zeit von allen Ländern Jugoslawiens am billigsten. Bei Diesel muss es übrigens nicht der teurere Eurodiesel sein. Mein hochgezüchteter Commonraildieselmotor läuft auch mit dem einfachen und damit auch billigerem Diesel einwandfrei.
Die Landstraße zwischen Kroatien und Belgrad wird gerade zur Autobahn umgebaut. Ein paar Jahre wird es wohl noch dauern. Die Autobahn bei Belgrad ist dafür schon ziemlich abgefahren, sie zeichnet sich durch heftige Spurrillen aus. Gut wenn man dann ein so gut gefedertes und hochbeiniges Auto wie den Kangoo hat. 230 km hinter Belgrad muss man für die Autobahn dann 15,- Euro bezahlen. Kein Problem, aber man wundert sich schon, wenn man nur 20 km weiter noch einmal mit 5,- Euro zur Kasse gebeten wird, zumal danach das straßentechnisch schlimmste Stück Landstraße kommt. Leute, so war früher mal fast der ganze Autoput. In Mazedonien hat der Zustand wieder ein Ende. Gut ausgebaute Landstraße und Autobahn wechseln sich ab. An der ersten Mautstelle in Mazedonien wird wie fast immer versucht abzuzocken. Man verlangt für 50 Denar 2 Euro. Abgesehen davon, dass die Währung gar nicht in Euro konvertierbar ist, sondern nur in Dollar, ergibt sich bei der Umrechnung trotzdem nur 55 Cent für 50 Denar. Auch 4 Euro wollten sie schon an dieser Mautstelle haben. Mein Mittel, das bis jetzt funktioniert: Ich gebe dem Menschen 1 Euro und sage ihm das das genug ist, und das er versucht zu betrügen. Sobald die Schranke oben ist, fahr ich dann los. Interessanterweise hat es bisher nie an den beiden weiteren Mautstellen Probleme gegeben. Das letzte Stück Mazedonien ist wieder Landstraße, an der Autobahn wird aber bereits gebaut. Richtig gefreut habe ich mich, wie dann noch ein Mercedes mit locker 160 km/h an uns vorbeigezischt ist. Kurz vorher hatte ich nämlich ein Polizeiauto am Straßenrand gesehen. Es dauerte ein wenig, da kam das Polizeiauto mit Blaulicht und fegte nun mit ebenfalls sehr hoher Geschwindigkeit an uns vorbei. Eine Viertelstunde später sahen wir die beiden am Straßenrand stehen. Ich hoffe es war richtig teuer für den Daimler. Nichts gegen schnelles fahren, aber auf der Landstraße trifft man immer wieder Fahrradfahrer, langsame LKWs und Fußgänger. 
Am 3.4. um 21:22 erreichen wir Evzoni, die griechische Grenzstation. Ein wenig freuen wir uns schon noch, dass wir heil in Griechenland angekommen sind, obwohl die Fahrt über den Autoput mittlerweile schon wieder Routine für uns geworden ist, da wir mindestens zweimal im Jahr zwischen Griechenland und Deutschland pendeln. Die Strecke mit der Fähre über Patras bzw. Igoumenitsa nach Triest ist zumindest für uns aus Kostengründen erledigt. 
Datum km   Betrag
02.04.2005 0 Grenze Slowenien Wurzenpass  
02.04.2005 75 Maut Slowenien 1,70 €
02.04.2005 90 Ljubljana  
02.04.2005 131 Maut Slowenien 1,90 €
03.04.2005 189 Maut Slowenien 1,10 €
03.04.2005 209 Grenze Kroatien  
03.04.2005 210 Maut Kroatien 1,00 €
03.04.2005 229 Zagreb  
03.04.2005 485 Maut Kroatien 15,00 €
03.04.2005 516 Grenze Serbien  
03.04.2005 599 Maut Serbien 7,00 €
03.04.2005 630 Belgrad  
03.04.2005 854 Maut Serbien 15,00 €
03.04.2005 877 Maut Serbien 5,00 €
03.04.2005 1013 Grenze Mazedonien  
03.04.2005 1030 Maut Mazedonien 1,00 €
03.04.2005 1077 Maut Mazedonien 2,00 €
03.04.2005 1106 Maut Mazedonien 1,00 €
03.04.2005 1192 Grenze Griechenland  
Gesamte Mautgebühren 51,70 €

Fazit: Die von anderen Fahrern berichteten Betrügereien, Schikanen oder Repressalien konnte ich auch bei dieser Fahrt nur in ganz geringer Form feststellen. Insbesondere Probleme mit der Polizei hatte ich keine. Wer allerdings meint, mit 160 km/h die Strecke abzureißen, braucht sich weder zu wundern, wenn er von der Polizei gestoppt wird, noch wenn er durch eine Spurrille oder ein Schlagloch mal mit dem Wagen aufsetzt. 

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