Autoput
Fahrbericht Griechenland - Mazedonien -Serbien - Kroatien - Slowenien

Die Touristenzahlen in Griechenland sind kräftig zurückgegangen. Ein erheblicher Grund ist die Unterbrechung der Landverbindung zwischen Österreich und Griechenland, dem so genannten Autoput durch Ex - Jugoslawien, gewesen. Ja, Sie lesen richtig - gewesen. Der Autoput kann wieder wie früher benutzt werden.

Allerdings gibt es leider genau wie früher Probleme mit Staus, korrupten Polizisten, bummeligen Grenzbeamten, katastrophalen Straßenabschnitten und vieles mehr.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit dem Autoput, sowohl positiv wie negativ, in möglichst ausführlicher Form an mich mailen würden, damit ich sie hier veröffentlichen kann.

Übrigens die nebenstehende Karte können Sie sich auch selbst erstellen mit dem Michelin Routenplaner

Autor: Ralf Scheel

Fahrt von Evzoni (Grenze Griechenland) nach Villach (Grenze Österreich) mit Renault Kangoo dci 

Donnerstag 01.09.2005

18:30 An der griechisch - mazedonischen Grenze warten vor mir 5 - 6 Fahrzeuge. Es wird zügig abgefertigt, keine 5 Minuten später bin ich im Duty free shop um Ouzo zu kaufen. Nicht für mich, ich trinke keine harten Sachen, aber der Ouzo ist dort dermaßen billig, dass man gut eine Flasche zum Verschenken mitnehmen kann.

Um 17:48, nach 15 Minuten Wartezeit bin ich auch durch die mazedonische Kontrollstelle. Die Uhr habe ich wieder auf MESZ Mitteleuropäische Sommerzeit zurück gestellt. Meine letzte Fahrt über den Autoput war im Frühjahr , und ich kann sagen, die Mazedonen waren den Sommer über ziemlich fleißig. Es ist zwar noch nicht die ganze Strecke Autobahn, aber die Landstraße ist sehr gut, mit vielen neu asphaltierten Abschnitten. Dann die Überraschung: An den 3 Mautstellen diesmal absolut korrekte Abrechnung 1. 1,- €, 2. 1,50 € und die 3. Mautstelle, an der sonst immer 3,- € verlangt wurde, akzeptierte kommentarlos meinen hingereichten Euro.

Um 19:46 bin ich in Serbien. Auch hier wurde die Landstraße streckenweise neu asphaltiert. Ich fahre die nächstgelegene Tankstelle an, und will Diesel 2. Das ist der einfache Diesel und gegenüber dem Eurodiesel 7 Cent billiger. Mein Auto kann nämlich keinen Unterschied zwischen den beiden Dieselsorten feststellen, also wähle ich die billigere Sorte. Gibt es aber nicht. Da ich noch genügend Sprit im Tank habe, will ich weiter zur nächsten Tankstelle. Da werde ich plötzlich von einem Polizisten herangewinkt. Eigentlich kann ich mir nichts vorwerfen. Der gute Mann spricht leider nur serbisch, aber mit Zeichensprache macht er mir klar, dass er mitgenommen werden will. Kein Problem, nach rund 20 Kilometern lasse ich ihn wieder raus. Er bedankt sich freundlich. 
21:09 Uhr. Die nächste Tankstelle kommt in Sicht, und mit Ihr auch das Motel Predanje. Auch an dieser Tankstelle gibt es nur Eurodiesel. Nun ist es egal welchen Diesel ich tanke, denn der Tank ist jetzt weitestgehend leer. Der Liter Eurodiesel kostet 71 Dinar, also umgerechnet 87 Cent. Ich zahle übrigens, angeregt durch den Hinweis eines anderen Reiseberichtes, völlig unkompliziert mit Kreditkarte. Einmal volltanken und dann schaun wir mal, wie das Hotel ist. An der Rezeption empfängt mich sehr freundlich auf deutsch Herr Srđan Stamenkovic. Ich habe mir extra seinen Namen geben lassen, damit er mal öffentlich im Internet gelobt wird. Lange habe ich im Internet gesucht, bis ich diesen verflixten serbischen Buchstaben đ, der sich wie dj ausspricht, gefunden habe. Aber so viel Freundlichkeit ist mir die Mühe wert. Das Hotel macht einen sehr guten Eindruck, um so überraschter bin ich, dass das Einzelzimmer inklusiv Frühstück nur 15,- Euro kosten soll. Hocherfreut nehme ich an. Nach einer ausgedehnten Dusche gehe ich zum angeschlossenen Restaurant. Es gibt, wie soll es anders sein, vorwiegend jugoslawische Spezialitäten. Mein Hunger ist nicht besonders groß. Gleich 5 Ober werben um meine Gunst. Ich bestelle Cevapcici, Salat und 1 Bier. Der Ober fragt mich, ob ich Brot haben möchte. Ich verneine. Er sagt: das Brot machen sie laufend frisch und es wäre köstlich. Er bringt mir ein kleines Fladenbrot, das tatsächlich noch ofenwarm ist. Macht zusammen 325 Dinar oder 4 Euro. Das Brot ist kostenlos. Nach einem kleinen Verdauungsspaziergang geht es ins Bett. Das Fenster des Zimmers öffnet man besser nicht, denn ein Notstromaggregat draußen macht ziemlichen Krach. Außerdem ist das Zimmer mückenfrei, und das soll auch so bleiben. Ich schlafe prima. Am nächsten Morgen um 6:30 gehe ich ins Restaurant und gebe meinen Frühstückscoupon ab, den ich gestern Abend beim Hotelportier bekommen habe. Der Ober bietet mir Omelett mit Schinken an. Das Angebot kann ich nicht abschlagen. Zusätzlich bekomme ich wieder ein frisches Fladenbrot und einen Pfefferminztee. Das Omelett packe ich in die aufgeschnittenen Hälften des Fladenbrotes. Nach der Hälfte bin ich zum platzen satt, und nehme die andere Hälfte mit. Sie wird mein Mittagessen.
Am 2.9. um 07:13 fahre ich weiter. Die Autobahn beginnt viel früher als im Frühjahr. Jetzt sind die 5 Euro Gebühr berechtigt. Im Frühjahr war es nur eine ganz kurze Strecke. Die Polizei ist ausgesprochen präsent. Ein Jugo mit einem Audi A8 fegt mit ungefähr 160 km/h an mir vorbei. Keinen Kilometer weiter steht er bei der Radarfalle und wird abkassiert. Das witzige dabei, das Ganze kann ich gleich 3 mal nacheinander beobachten. Der Audi ist dadurch zwar nicht wirklich schneller, aber sicher ungleich teurer unterwegs. Die 2. Mautstelle ist bereits kurz vor Belgrad. In Belgrad staut sich der Verkehr auf der Autobahn. 2 Auffahrunfälle behindern den Verkehrsfluss erheblich. Hinter Belgrad nimmt die Verkehrsdichte wieder deutlich ab. Nach rund 100 km kommt die letzte Tankstelle in Serbien. Diesmal auch mit einfachem Diesel, der 0,65 Dinar bzw. 80 Cent kostet. Auch hier zahle ich mit Karte. Für das Pinkeln in einem Dixiklo soll ich 50 Cent bezahlen. Die spinnen wohl. Keine 500 Meter weiter kann ich mich gratis erleichtern. Kurz vor der Grenze die letzte Mautstelle in Serbien. Für 500 Dinar möchte man 8 Euro. Ich gebe 10 hin und bekomme den Rest in Euro zurück.

12:12 Uhr Grenzkontrollpunkt Serbien - Kroatien. Nach 15 Minuten bin ich durch. Erst nach 250 km, kurz vor Zagreb, kommt die Mautstelle mit 13 Euro. 40 km weiter, direkt vor der Grenze zu Slowenien die 2. Mautstelle mit 1 Euro.

15:30 Uhr Grenzkontrollpunkt Kroatien - Slowenien. Die Wartezeit beträgt insgesamt 7 Minuten. Es gibt 3 Mautstellen, die insgesamt nur 5,60 Euro kassieren. In und um Ljubljana habe ich extrem dichten Verkehr und verbringe mindestens 1 Stunde im Stau. Ausweichmöglichkeiten sehe ich keine.

18:40 Ich erreiche die österreichische Grenze. Nahezu keine Wartezeit am Kontrollpunkt.

Maut gesamt pro Land:
Mazedonien 03,50 €
Serbien 28,00 €
Kroatien 14,00 €
Slowenien 05,60 €
Gesamt 51,10 €

Wartezeiten an den Grenzen:
Griechenland nach Mazedonien 0:15 h
Mazedonien nach Serbien 0:09 h
Serbien nach Kroatien 0:15 h
Kroatien nach Slowenien 0:07 h
Slowenien nach Österreich 0:05 h
Gesamtwartezeit 0:51 h
 
Fahrzeit 15:07 h
Kilometer 1163 km

Fazit:
Jetzt fehlen nur noch ein paar Autobahnabschnitte wie z.B. in Kroatien zu Serbien hin, doch eigentlich kann man nicht meckern, es wird ja daran gearbeitet. Wer den Autoput von früher kennt, empfindet den jetzigen Ausbau der Strecke schon fast als Luxusklasse. Vom alten Autoput in Richtung Griechenland ist nichts mehr zu sehen. Die Polizei ist in Serbien recht präsent, aber wenn man sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hält, gibt es keine Probleme. Den Serben muss ich Abbitte leisten. Ich dachte an unfreundliche Bedienung, schlechtes Essen und teure Hotelzimmer. Zumindest im Motel Predanje in Serbien ist das wirklich nicht der Fall, sondern mit Abstand die beste und günstigste Essens- und Übernachtungsmöglichkeit, die ich bis jetzt in Jugoslawien gefunden habe.

Nachtrag vom 12.09.2005: 
Heute sind die Beträge für das Tanken in Serbien, die ich per VISA Karte bezahlt hatte, von meinem Konto abgebucht worden. Der Umrechnungskurs ist sogar noch etwas besser als der Bargeldkurs und es entstehen keine Wechselspesen. Ab sofort zahle ich, wenn es möglich ist, in Jugoslawien nur noch per VISA Karte.

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